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Männerkosmetik, braucht man(n) sie wirklich?
Männerkosmetik, braucht man sie wirklich?
Vor allem in letzter Zeit wird in den Medien sehr viel um Kosmetik für das männliche Geschlecht geworben. Auf der einen Seite könnte sich ja schließlich ein riesiger Markt eröffnen, da dieser Bereich ja in der Vergangenheit fast exklusiv der Frauenwelt vorbehalten war, doch wie sieht es heutzutage eigentlich aus? Schminkt sich der Mann von heute und braucht man Männerkosmetik wirklich?
Puder und Lippenstift?
Diese Frage kann man natürlich nicht direkt beantworten. Derzeit werden Puderdöschen und Co. vom ganz normalen männlichen Bürger im Allgemeinen kaum verwendet, da für viele dieses Thema noch eher zu einem Tabu gehört. Ein Mann hat sich nicht zu schminken, jedoch wenn man in den Medien präsent ist, so sieht das schon ganz anders aus. Kein einziger Auftritt im Fernsehen wird nicht im Vorfeld ganz genau vorausgeplant und in jeder Show werden auch Männer zumindest mit Puder und dergleichen geschminkt, um ein besseres Bild für die Scheinwerfer hinzubekommen.
Ich denke nicht, dass man in der Zukunft plötzlich auf der Straße an lauter geschminkten Männern vorbeilaufen wird, aber in gewissen Situationen wäre dies durchaus möglich, beispielsweise bei einer Einladung Hochzeit oder sonst einer größeren Veranstaltung. Meiner Meinung nach besteht nicht unbedingt ein Bedarf auf ein ausgedehntes Angebot im selben Ausmaß, wie es für Frauen erhältlich ist. Dazu gibt es einfach zu wenige Männer, die ihre feminine Seite ausleben wollen und genau hier liegt das Problem. Make-Up wird einfach mit Frauen in Verbindung gebracht und selbst Männer, die sich dafür interessieren würden, schrecken mit Sicherheit ein wenig davor zurück.
Ganz anders sieht es mit Pflege- und Reinigungsprodukten aus. Hier ist mit Sicherheit noch deutlich mehr Potenzial vorhanden, als bis jetzt realisiert wurde. Man kann weitaus mehr im täglichen Leben gebrauchen als Duschgel, Shampoo, Aftershave und verschiedene Düfte. Meiner Ansicht nach wird die Grundsatzfrage nach männlicher Kosmetik, wie sie die Frauenwelt hat, eher damit beantwortet, dass sie nicht wirklich tauglich für die Masse ist.
Männer liebens einfach
Die meisten Männer gelten als Kosmetikmuffel. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Mann unbedingt der Meinung ist, dass er auch wie ein solcher riechen muss. Ein wichtiger Grund dafür, dass die Herren der Schöpfung ein eher gespaltenes Verhältnis zur Kosmetik haben, liegt daran, dass diese sie überfordert.
Das Badeschränkchen bzw. die Kosmetikschatullen der meisten Frauen enthalten zahllose Cremes, Lotions, Pasten, Lippen- und Kajalstifte, Shampoos, Spülungen, Conditioner etc. Dem Durchschnitts-Mann ist dies im Allgemeinen viel zu viel, er braucht eigentlich nur einige wenige Dinge: Seife – am besten als Flüssigseife im Spender, weil das so schön bequem ist, mal ein Duschbad, Haarwaschmittel, Rasierschaum und After Shave. Nicht zu vergessen die Utensilien für die Zahnpflege.
Zwar hat die Männerkosmetik in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und die Industrie hat sich nur zum Teil auf die neue Zielgruppe eingestellt. Als Mann und Kosmetik-Laie hat man es häufig genug schwer, überhaupt zu verstehen, welche Art Kosmetikartikel man überhaupt in der Hand hält. Neben allerhand zum Teil skurrilen Anglismen – so wirbt ein Unternehmen zum Beispiel mit den Worten „Hair and Scalp Care“; wer denkt bei Skalp nicht an die indianische Art der Kopfhautentfernung – sind die Verpackungen häufig mit zahllosen Informationen überfrachtet, die die Vorzüge des Produktes anpreisen. Wie oft habe ich schon unter der heimischen Dusche gestanden und in der Absicht, mir die Haare zu waschen, unter den zahllosen Fläschchen verzweifelt das richtige gesucht? Das entscheidende Wort „Shampoo“ oder für die Körperpflege „Duschgel“, nach dem der Mann mit typischem Jäger- und Sammlerblick Ausschau hält, steht irgendwo klein und versteck und ist somit für mich und viele meiner Geschlechtsgenossen unsichtbar.
Eine der Ursachen für diesen Missstand ist, dass es meist die Frauen sind, die die Kosmetik einkaufen, auch für ihren Partner. Das ist so ähnlich wie bei der Herrenunterwäsche, die ebenfalls noch immer vorrangig von Frauen besorgt wird. Denn die holde Weiblichkeit hat auf unerklärliche Weise keine Probleme damit, auf den dicht bedruckten Flaschenoberflächen Worte wie „Spülung“, „Conditioner“, „Pflegebalsam“ oder eben „Shampoo“ zu identifizieren und sie wissen auch noch, worin sich die einzelnen Produkte unterscheiden.
Dem starken Geschlecht bleibt nur, die Initiative zu übernehmen und die kosmetischen Hilfsmittel selbst zu erwerben. Im Supermarkt greifen sie dann bevorzugt zu den für sie eindeutigen Produkten, was wiederum zur Folge haben dürfte, dass die Hersteller dieses Bedürfnis erkennen und passende Angebote unterbreiten. Wobei nicht gesagt ist, dass nicht auch die Herren irgendwann einmal in die tieferen Geheimnisse der Kosmetik eindringen. Man(n) soll die Hoffnung nie aufgeben…
